HNO Gemeinschaftspraxis Dr. med. Irmtraud Fink-Schneider und Dr. med. Karl-Heinz Fink

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Hörsturz Drucken E-Mail
Beim Hörsturz handelt es sich um eine idiopathische (ohne erkennbare Ursache) plötzlich (innerhalb von 24 Stunden) auftretende meist ein,- selten doppelseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit.So sind definitionsgemäß Hörstörungen mit erkennbarer Ursache vom Hörsturz abzugrenzen.
Untersuchung des Ohres

Parallel zum Hörsturz können nach Häufigkeit folgende Symptome auftreten:

  • Ohrgeräusche (Tinnitus), meist hochfrequent, 
  • Druckgefühl im betroffenen Ohr
  • Wattegefühl der Haut der Ohrmuschel durch die fehlende akustische Rückkoppelung bei Berührung
  • Schwindelgefühl
  • Doppeltonhören - ein Ton wird auf dem gesunden Ohr normal, auf dem erkrankten höher oder tiefer gehört (Diplakusis)

Diagnostik

1. Anamnese 

Der Arzt befragt den Patienten nach der Art des Auftretens seiner Beschwerden, klärt, ob ein oder mehrere der o. a. Symptome neben der Hörminderung vorliegen. Daneben ist die Dauer der Beschwerdesymptomatik von Wichtigkeit.

2. Ohrmikroskopie

Die Otoskopie klärt, ob nicht andere Ursachen (wie Ohrschmalzpfropf, akute Mittelohrentzündung, Fremdkörper) für die plötzliche Hörminderung vorliegen.

3. Tonaudiometrie

Mit der Reintonschwellenaudiometrie wird das Ausmaß der Hörminderung und die Art der Schwerhörigkeit, Schallempfindungsschwerhörigkeit ("Innenohrschwerhörigkeit"), Schallübertragungsstörung  oder eine Kombination aus beidem ermittelt. Auch zur Kontrolle des Verlaufs ist das Audiogramm dringend erforderlich.

4. Otoakustische Emissionen

Hierbei handelt es sich um eine objektive Form der Hörprüfung, die ebenfalls im Verlauf wiederholt werden sollte, da hier Rückschlüsse auf die Wirksamkeit einer Therapie gezogen werden können.

weiterführende Diagnostik

1. Hirnstammaudiometrie (BERA)

Diese dient zur Feststellung einer Erregungsbehinderung oder Verzögerung im Bereich des Innenohres, des Hörnerven oder der hörrelevanten Strukturen des Gehirns. Diese Untersuchung sollte nicht im Frühstadium durchgeführt werden, sondern nach Besserung der Hörsituation.

2. Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels

Zweck ist der Ausschluss eines Kleinhirnbrückenwinkeltumors, eines anderen Tumors, einer Durchblutungsstörung oder einer Infektion. Ähnliches leistet die Computertomographie (CT) des Schädels.

3. Blutuntersuchung

Hier gilt es, mögliche andere Ursachen (Stoffwechselstörungen, virale Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Gerinnungsstörungen, bakterielle Infektionen) auszuschliessen.

4. kardiologische Untersuchung

Blutdruckmessung, EKG, Echokardiographie und eine dopplersonographische Untersuchung der großen Halsgefäße sollen Herz-Kreislauferkrankungen als Ursache des Hörsturzes ausschliessen.

Ursachen und Risikofaktoren

Letztendlich konnte eine Ursache von Hörstürzen bislang nicht sicher aufgezeigt werden.

Man vermutet ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die zu einer Änderung der Durchblutungsverhältnisse an den Haarzellen des Innenohres führen. Die Haarzellen sind die für das Hören zuständigen Sinneszellen und werden durch kleinste Blutgefäße mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Eine Minderdurchblutung könnte zu einer dauernden oder vorübergehenden Schädigung der Haarzellen führen.

Virusinfektionen, Durchblutungsstörungen, Stress, Einblutungen, Bestrahlung bei Tumoren, Fehlstellung der Halswirbelsäule, das Akustikusneurinom (Tumor des Hörnerven), bestimmte ototoxische Medikamente und Autoimmunreaktionen gegen Bestandteile der Cochlea können mögliche Ursachen sein.

Raucher, Menschen mit Übergewicht, Diabetes mellitus oder Stoffwechelstörungen zählt man ebenso zur Risikogruppe wie solche, die vermehrt Stress ausgesetzt sind. Bewiesen sind diese Aussagen bislang jedoch nicht.

Therapie des Hörsturzes

Es liegen keine aussagekräftigen Studien zur Therapie des Hörsturzes vor, da es zum einen eine hohe Spontanremission gibt, die Therapiekonzepte sehr unterschiedlich sind und es ethische Probleme bei einer alleinigen Placebobehandlung gibt.

infrage kommen, unabhängig vom zu erwartenden Erfolg folgende Therapieformen:

1. Infusionstherapie

Ziel ist eine Verbesserung der Durchblutung des Innenohres (rheologische Therapie). Dabei werden, meist über einen Zeitraum von 10 Tagen durchblutungsfördernde Medikamente wie Piracetam, Pentoxifyllin oder niedermolekulare Dextrane infundiert.

2. oral rheologische Therapie

Hier werden durchblutungsfördernde Medikamente wie Pentoifyllin, Piracetam, Buflomedil oder Naftidrofuryl mit der gleichen Zielsetzung verabreicht

3. Cortisontherapie

Hier wird die antientzündliche und bei angenommenem Autoimmunprozess die immunsupressive Wirkung, sowie ein abschwellender Effekt ausgenutzt. Eine Kombinationstherapie aus Infusion plus Cortison oder oraler Therapie plus Cortison ist möglich.

4. Ionotrope Therapie

Hier werden Lokalanästhetica wie Lidocain oder Procain intravenös  verabreicht, eine umstrittene und nicht ungefährliche (Krampfanfälle, zentrale Atemlähmung) Therapieform.

5. Apherese

Hierbei handelt es sich um ein Blutreinigungsverfahren, welches zu einer Senkung des Cholesterins und des Lipoproteins (a) führt.

6. Hyperbare Sauerstofftherapie

Hier wird in einer Druckkammer reiner Sauerstoff eingeatmet. Der Therapieerfolg ist umstritten, die Kosten dieser Behandlung hoch.

7. Tympanoskopie

Bei besonders ausgeprägten Hörstürzen, plötzlicher einseitiger Taubheit mit Schwindel wird unter der Vorstellung, es läge ein Riss in der Membran des runden Fensters vor, das Mittelohr operativ eröffnet und die Nische mit einem Gewebelappen abgedeckt.

Es existieren noch weitere, zum Teil exotische Therapieansätze, die hier nicht weiter besprochen werden können.

Wir bevorzugen bei uns die Infusionstherapie und oral durchblutungsfördernde Medikation, in Einzelfällen kombiniert mit Cortikoiden, denken bei deren Versagen übedr weitere Möglichkeiten nach.